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03.12.2009 Verkaufen wir den Sonntag?

Die letzten Schranken für die totale Kommerzialisierung des Sonntags müssen geschlossen bleiben. Das ist gut so. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts gegen das Land Berlin besitzt Symbolcharakter für ganz Deutschland: Der Schutzraum, den das Grundgesetz dem Sonntag als Tag der Ruhe bietet, ist von Bestand.
Die Bundesrichter haben nicht nur den Berlinern einen Spiegel vor die Nase gehalten. Alle Menschen von Görlitz bis Aachen von Berchtesgaden bis List auf Sylt sind gleichermaßen betroffen. Wir sollten das Urteil zum Anlass nehmen, einmal über Zeit und Maßlosigkeit nachzudenken. Die mahnenden und entschiedenen Worte aus Karlsruhe zwingen uns dazu. Und wir sollten uns mit dem Erreichten zufrieden geben und nicht eine grenzenlose Expansion des Handels auf die Sonntage einfordern.
Reichen die unterschiedlichsten Ausnahmen für den Sonntagshandel wirklich nicht aus? Sind die Möglichkeiten von montags bis samstags schon effizient genutzt? Und müssen die Kaufhaus- und Ladenketten und Einzelhändler am Ende noch dem Internet Konkurrenz machen?
Das Internet kennt keinen Ladenschluss, kennt keinen Sonntag. Und die Potenzen des weltweiten Netzes sind in Sachen Handel noch längst nicht ausgeschöpft. Neue Generationen der Händler und Verbraucher werden uns da bestimmt überraschen - mit neuen Einfällen und Aktionsmöglichkeiten.
Der sonntägliche Trip zum Einkaufstempel in der City oder an den Rand der Stadt dürfte dann möglicherweise gar nicht mehr von Interesse sein. Und der Bummel durch einen echten Park mit frischer, ungefilterter Luft wird dann vielleicht auch bei denjenigen wieder mehr gefragt sein, die heute noch durch die zahlreichen Einkaufs-Parks bummeln, nur schauen und nicht kaufen.
Dass gegen die Kaufkraftschwäche Berlins etwas unternommen werden muss, ist durchaus logisch. Der einfache Weg, für die geldschweren Gäste aus aller Welt die Läden an allen Adventssonntagen zu öffnen, funktioniert nur noch bis Jahresende 2009. Das ist kein Unglück. Wer die Kreativität der Hauptstädter kennt, ist sich sicher, dass für den Advent 2010 neue Handelslösungen für mehr Umsatz kreiert werden, die gleichermaßen urteilskonform und kundenfreundlich sein mögen.
Wir sollten überall in unserem Lande die Versuche einstellen, den Sonntag an die Beliebigkeit zu verkaufen. Der Sonntag gehört uns allen, Christen wie Nichtchristen. Jeder Mensch in unserer Gesellschaft braucht diesen Tag. Die Vielfalt ist dabei so weit, wie eben unsere Gesellschaft vielfältig ist: für den Gottesdienst , für die innere Einkehr, für die Familie, für den Verein, für den Dienst am Nächsten, beruflich und ehrenamtlich.
Karlsruhe hat uns dank der Klage der Kirchen kräftig ins Gewissen geredet. Die bisherigen Reaktionen geben Zuversicht, dass die Richter von allen Seiten ernst genommen werden.




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