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24.01.2018, 11:29 Uhr
 
Ungarn ehrt Katharina Landgraf

Eine besondere Ehrung für Katharina Landgraf: Am heutigen Mittwoch (31. Januar 2018) wurde sie in der Ungarischen Botschaft in Berlin mit dem Ritterkreuz des Ungarischen Verdienstordens ausgezeichnet. Auf Vorschlag des ungarischen Ministerpräsidenten und des Außenministers hat das Staatsoberhaupt Ungarns Janos Ader diesen Orden verliehen. "Das hat mich tief berührt, denn Ungarn und seine Menschen sind für mich persönlich und als Bundestagsabgeordnete ein Herzensanliegen", kommentiert sie nach dem Festakt.

Nach ihrem erneuten Einzug in den Bundestag im Herbst 2005 war Landgraf der Bitte ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Union gefolgt, die Erinnerung an das legendäre Paneuropäische Picknick bei Sopron vom August 1989 in ihrem politischen Wirken im Parlament zu wahren und zu pflegen. "Diese Aufgabe habe ich gern übernommen - auch als ein ehemaliges Mitglied der freigewählten Volkskammer, die mit den Beschlüssen vom August 1990 die entscheidenden parlamentarischen Schritte zur deutschen Einheit ermöglichte."

"Wir dürfen niemals vergessen, dass der Fall der Mauer symbolisch mit dem Paneuropäischen Picknick begonnen hat. Und das haben wir ungarischen Bürgerrechtlern zu verdanken, die dieses Treffen am damaligen Eisernen Vorhang nahe des Neusiedler Sees mit beispielhaftem Engagement organisierten. Sie wollten mit einem Fest unter freiem Himmel zwischen Ungarn und Österreich einen Blick in die europäische Zukunft ohne Stacheldraht und Teilung aufzeigen. Dass die Öffnung des Grenzzaunes am Nachmittag des 19. August letztendlich die weithin bekannte erste Massenflucht von DDR-Bürgern in den Westen zur Folge hatte, erscheint auch heute noch als unglaublich. Es fiel an diesem Sommer-Nachmittag kein Schuss. Dieser plötzliche Geist der Gewaltlosigkeit bestimmte Wochen später den Leipziger Herbst 1989." 

Im August 2006 reiste Katharina Landgraf zum ersten Mal zu den Gedenkfeierlichkeiten und würdigte das welthistorische Ereignis in einer Rede vor dem traditionellen Europa-Konzert im Steinbruch von Fertörakos bei Sopron. Sie würdigte dabei die Leistungen der Ungarn bei der Beseitigung des Eisernen Vorhangs und unterstrich die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements bei der Überwindung von Gewaltherrschaften in Europa. Elf Jahre später - im  August 2017 - mahnte Landgraf an gleicher Stätte: „Wir brauchen eine langfristig wirkende, neue Sicherheitspolitik, um das gemeinsame Haus Europa vor jeglichen Katastrophen und vor jeglicher Überforderung zu bewahren. Die Flüchtlingskrise hat erbarmungslos unsere Schwächen in der Europäischen Union aufgezeigt. Wenn wir mit unseren rechtsstaatlichen und sozialen Sicherungssystemen bedürftigen Menschen aus nah und fern Schutz gewähren wollen, so müssen wir gleichzeitig auch den Schutz unserer Schutzsysteme sichern und dies wachsam gewährleisten.“

Die heutige Ordensverleihung sieht Katharina Landgraf zugleich als eine Würdigung der vielen engagierten Bürgerinnen und Bürger in Ungarn, die den Geist von Sopron wahren und für ein geeintes friedliches Europa auch in Zukunft einstehen. "Die Zusammenarbeit mit ihnen ist ein festes Band der Freundschaft, das ich nicht missen möchte", unterstreicht die Bundestagsabgeordnete. Ihre Teilnahme als Vertreterin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an den alljährlichen Gedenkfeierlichkeiten des Paneuropäischen Picknicks verknüpfte sie stets mit einer besonderen Geste: Gemeinsam mit dem Soproner Bürgermeister Fodor und einstigen Akteuren von 1989 pflanzte Landgraf im Gedenkpark an der österreichischen Grenze den deutschen "Baum des Jahres", den sie als Spende aus Sachsen mitbrachte. Außerdem initiierte sie im Jahre 2012 mit dem Grimmaer Sankt-Augustin-Gymnasium  ein Schülerprojekt zur Aufarbeitung der Ereignisse vom August 1989 an der ungarisch-österreichischen Grenze. Mit vier Schülerinnen und ihrer Geschichtslehrerin reiste sie 2013 mit nach Sopron zu Zeitzeugen-Interviews mit den Aktivisten von 1989. Daraus entstand eine Publikation der Konrad-Adenauer-Stiftung in deutscher und ungarischer Sprache, die zum 25.Jahrestag des Paneuropäischen Picknicks vor einem großen internationalen Publikum von den Abiturientinnen in Sopron präsentiert werden konnte.  Einige Exemplare dieser Broschüre mit dem Titel "Der Nachgeschmack von Speck und Pörkölt - Das Paneuropäische Picknick - der Durchbruch in die Freiheit" können im Landgraf-Wahlkreisbüro abgerufen werden.

Die Wahrung des Geistes von Sopron und die Pflege der freundschaftlichen Beziehungen zwischen  deutschen und ungarischen Menschen soll auch in der Zukunft möglich sein. Deshalb sei es für sie eine besondere Motivation gewesen, ein deutsch-ungarisches Jugendwerk mit ins Leben zu rufen. "Das war gar nicht so einfach, denn normalerweise gibt es nur solche Jugendwerke mit Ländern, mit denen Deutschland eine direkte Grenze hat." Die jahrelangen gemeinsamen Bemühungen engagierter Leute aus Politik und Wirtschaft seien dann doch von Erfolg gekrönt worden: "Am 18. März 2015 wurde in Berlin dieses Deutsch-Ungarische Jugendwerk gegründet." Landgraf gehört dem Vorstand als 1.Beisitzerin an. Die Startphase habe ganz gut geklappt. „Aber für die Zukunft brauchen wir weitere starke Partner für dieses Projekt, das junge Menschen aus Deutschland und Ungarn zusammenbringt. Das benötigen wir heute mehr denn je. Leider gerät die große Bedeutung der deutsch-ungarischen Freundschaft für die Menschen in unseren beiden Ländern durch die mediale Darstellung der aktuellen Politik in Budapest etwas in den Hintergrund. Ich wünschte mir in der öffentlichen Beurteilung des jeweils anderen Standpunktes mehr Respekt und Verständnis", konstatiert Landgraf.

Rückblick auf das Jahr 2014:

Vision für Europa und das Handeln des „kleinen Mannes“ aus dem Osten

Eine Betrachtung von Katharina Landgraf zum 25.Jahrestag des Paneuropäischen Picknicks vom 19.August 1989

Das legendäre Paneuropäische Picknick bei Sopron vom August 1989 geht uns Ostdeutschen wohl niemals mehr aus dem Sinn. Ungläubig nahmen wir damals die Fernsehbilder aus der abendlichen „Tagesschau“ des 19. August auf. Wir sahen unendlich viele Menschen durch das geöffnete Grenz-Tor nach Österreich strömen. Viele von ihnen rannten, als ob es um ihr Leben ging. Sie kehrten dem Ostblock den Rücken und zogen in eine lang geträumte Freiheit. Sie ließen alles Denkbare zurück,  Familien, Verwandtschaften, Hab und Gut, auch den Trabi oder Wartburg, mit dem sie an den Balaton in den Urlaub gefahren waren.

Mit einem solchen Durchbruch in den Westen hatten die Organisatoren des Picknicks nicht gerechnet. Das tatsächliche Geschehen am Eisernen Vorhang bei Sopron, die hundertfache Abstimmung von DDR-Bürgern mit ihren Füßen war ja auch nicht so geplant. Die Spontanität von Sopron gab wichtig Impulse für unsere friedliche Revolution. Ungarische Gäste zur Leipziger Herbstmesse 1989 wurden von Passanten in der City gefeiert. Wochen später waren die Demonstrationen auf dem Leipziger Ring im Fokus der Weltöffentlichkeit. Sopron hatte Mut gemacht für den friedlichen Protest gegen das SED-Regime. Das ist und bleibt ein wichtiger Teil des endgültigen Zerfalls der DDR und unseres Weges in die deutsche Einheit. 

Zur Wahrheit gehört aber auch das eigentliche Anliegen des Picknicks auf den Wiesen vor dem  Grenzzaun zwischen Ungarn und Österreich. Es  wurde fortan von den Bildern der damaligen Massenflucht und von den Demonstrationen in den DDR-Städten und dem Fall der Berliner Mauer überzeichnet.

Ursprünglich hatten Mitglieder von oppositionellen Organisationen aus dem ostungarischen Debrecen dieses Picknick im Schatten der maroden Grenzanlagen als ein Fest geplant. Sie wollten so die Vision eines geeinten Europas fühlen und feiern. Ungarn und Österreicher wollten bei einer für drei Stunden symbolisch geöffneten Grenze einander näher kommen und im Herzen des Kontinents für einen Augenblick ein neues Europa leben. Maria Filep aus Debrecen als eine der Ideengeberin rechnete ursprünglich mit 150 bis 200 Teilnehmern. Das war eine historische Fehleinschätzung: Es waren schätzungsweise zehn- bis fünfzehntausend Menschen gekommen. Sie wollten offenbar alle mit dabei sein, um den von Janos Rumpf formulierten Slogan „Bau ab und nimm mit!“ am Eisernen Vorhang in die Tat umzusetzen.

Einer der Schirmherren des Picknicks - Staatsminister Pozsgay - schrieb damals an die Teilnehmer und würdigte die Aktion mit seinen Worten: „Ein fröhliches Treffen zwischen den Söhnen verschiedener Nationalitäten, die verbunden sind durch den Wunsch nach gegenseitigem Kennenlernen, nach europäischer Gemeinsamkeit, nach Demokratie und Freiheit.“    

Zahlreiche unerwartete Gäste aus der DDR nahmen allerdings das Ansinnen der Organisatoren möglicherweise gar nicht wahr. Oder sie verstanden die Formulierung im Aufruf zum Picknick  - „Demonstration für die Verwirklichung des Traumes des kleinen Mannes für ein friedliches, freies Europa“ – eher sehr pragmatisch.

Laszlo Magas – einer der Picknick-Akteure – beschrieb Jahre später diese außergewöhnliche und spontane Situation so: „Die feierliche Öffnung des Tores war für drei Stunden geplant, doch die zwischenzeitlich eingetroffenen ostdeutschen Bürger nahmen die Leitung ihrer Geschicke durch das Durchbrechen des Tores selbst in die Hand. Uns alle berührte dieser Gefühlsausbruch, den wir vor Ort erlebten, sehr.“ 

Die Spontanität des „kleinen Mannes“ aus dem Osten an diesem Tage, der mit einem heftigen Gewittersturm zu Ende ging, ließ nun das Rad der Geschichte in einem atemberaubenden Tempo rasen. Die Ergebnisse sind bekannt. Jetzt, zum 25. Jahrestag des Paneuropäischen Picknicks, sagen wir den ungarischen Akteuren einmal mehr ein herzliches Dankeschön, und wir wünschen, dass zu allen Zeiten Gott Ungarn schützen möge.    



Ordensverleihung von Ungarischem Botschafter Dr. Peter Györkös
Katharina Landgraf engagiert sich für und in Ungarn - Rückblick in Bildern
Sommer 2006: Katharina Landgraf mit Hans-Dirk Bierling, MdB a.D. und Maria Filep aus Debrecen, Initiatorin des Paneuropäischen Picknicks vom 19. August 1989

Ein Trabant-Korpus erinnerte in Sopron vor einer ständigen Ausstellung an die erste Massenflucht von DDR-Bürgern 1989 - hier ein Erinnerungsfoto mit Katharina Landgraf im August 2006


Katharina Landgraf initiierte im Jahre 2012 mit dem Grimmaer Sankt-Augustin-Gymnasium ein Schülerprojekt zur Aufarbeitung der Ereignisse vom August 1989 an der ungarisch-österreichischen Grenze. Mit vier Schülerinnen und ihrer Geschichtslehrerin reiste sie 2013 mit nach Sopron zu Zeitzeugen-Interviews mit den Aktivisten von 1989. Unterstützt wurde das Schüler-Quartett durch das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft in Ungarn sowie durch die Konrad-Adenauer-Stiftung in Budapest, die außerdem den Druck einer interessanten und bewegenden 80-seitigen Dokumentation mit dem Titel "Der Nachgeschmack von Speck und Pörkölt - Das Paneuropäische Picknick - der Durchbruch in die Freiheit" ermöglichte.

Zeitzeugen-Interview der Schülerinnen 2013 in Sopron


Gruppenbild mit Schülerinnen des Sankt-Augustin-Gymnasium Grimma in Sopron 2014


Gemeinsam mit dem Soproner Bürgermeister Fodor und einstigen Akteuren von 1989 pflanzte Landgraf fast in jedem Jahr im Gedenkpark an der österreichischen Grenze den deutschen "Baum des Jahres“ - hier im Sommer 2014 eine Trauben-Eiche.


Katharina Landgraf bei ihrem Grußwort am 19.08.2017 in Sopron vor dem Europa-Konzert im Steinbruch-Theater von Fertörakos

Das traditionelle Europa-Konzert zum Gedenken an das legendäre Paneuropäische Picknick findet zumeist in dem außergewöhnlichen Steinbruch-Theater statt.


Hans Kaiser, Minister a.D.,ehemaliger Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Budapest, engagierte sich u.a. mit Tagungen und Publkikationen für eine vielfältige und lebendige Weitergabe des Geistes von Sopron. Hier ein Foto mit Katharina Landgraf und Prof. Ellen Bos von der Universität Budapest bei den Feierlichkeiten zum 25.Jahrestag 2014. 
 

 



 

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